Schrittweise zurück zum normalen Alltag

geöffnet

Seit einer Woche haben die Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) der Stiftung Haus Lindenhof teilweise wieder geöffnet. Oliver Baum, Leiter der Vinzenz von Paul Werkstatt in Bettringen, gibt einen Einblick in die neue „Normalität“ und wie die Menschen mit Behinderung mit der aktuellen Situation umgehen. Nachdem die Werkstatt am Lindenhof für die Beschäftigten aufgrund der landesweiten Bestimmungen in Bezug auf die Coronakrise vier Wochen nicht zugänglich war, kehrt langsam wieder eine alltägliche Stimmung ein.

Als am Anfang des Lockdown die Beschäftigten nicht mehr in die Werkstatt kommen durften, war es eine Umstellung für uns alle. Die Abwesenheit unserer Beschäftigten ging uns nach, denn für sie sind wir im Kern unserer Arbeit da. Aber durch die schrittweise Öffnung kehrt nun langsam wieder Leben in die Werkstatt ein.

Oliver Baum, Werkstattleiter Vinzenz von Paul Werkstatt

trotzdem nah

Mittlerweile wurden 25 Prozent der Vollbeschäftigung der Menschen mit Behinderung wieder hochgefahren, während weiterhin 40 Mitarbeitende in der Betreuung und Produktion tätig sind.

Zum neuen Alltag gehören aber auch umfassende Hygiene- und Schutzmaßnahmen: Desinfektionsmittel, Schutzmasken und Wände aus Plexiglas. Aufgrund der Mindestabstandsregelungen mussten Arbeitsplätze umverteilt werden und auch die Speisesäle sind ausgelastet. Jeder Beschäftigte hat seinen zugewiesenen Platz, der Gymnastikraum wurde kurzerhand zum Speisesaal umfunktioniert – aus Platzgründen.

Auch die gesamtwirtschaftliche Situation machte sich in der Vinzenz von Paul-Werkstatt bemerkbar. Produktionsaufträge sind weggebrochen, andere wiederum konnten weitergeführt werden. Werkstattleiter Oliver Baum sagt: „Produktionsplanung ist derzeit nur bedingt möglich. Wir wissen nicht, wann wie viele Beschäftigte in der Werkstatt arbeiten können, denn die Abstandsregelungen müssen eingehalten werden.“ Wichtig sei in der Corona-Hochphase gewesen, die Kunden nicht zu verlieren und sicherzustellen, dass die Produktion, wenn auch in reduziertem Umfang, weiterlief, so Baum. Dennoch macht sich der Werkstattleiter auch Gedanken, ob es dauerhafte Verluste geben, und welche Auswirkungen des Wirtschaftseinbruchs noch auf die Werkstatt zukommen wird.

Trotz der großen Umstellung gab es auch neue Chancen, die sich durch die Coronazeit entwickelt haben. Durch den YouTube-Kanal der Stiftung Haus Lindenhof konnten im Berufsbildungsbereich Lernvideos verbreitet werden und dadurch die Menschen mit Unterstützungsbedarf zuhause angesprochen und indirekt beschäftigt werden. Wie baue ich ein Hochbeet, welche Werkzeuge gibt es, aber auch Fitness-Stunden und Singrunden wurden bisher per Videobotschaften verbreitet. Eine weitere interessante Entwicklung: die Buchhandel-Plattform, die die Werkstatt betreibt, ging laut Baum „durch die Decke“, denn die Menschen, die zuhause waren, hätten Zeit, wieder einmal ein Buch zu lesen. Indes zeigte sich der Verkaufsautomat auf dem Oberen Haldenhof als tolle Möglichkeit, während des Lockdown Lebensmittel zu kaufen – der Umsatz dort schnellte in die Höhe.

„Unsere Mitarbeitenden und Beschäftigten sind sehr diszipliniert, wir können uns auf sie verlassen. Umso schöner ist es, zu sehen, wie langsam wieder Leben bei uns eintritt“, so Baum abschließend.

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